2 Figurinen Rekonstruktionen für das Hunsrück-Museum in Simmern 2009.
Im Rahmen der Ausstellung der Hunsrück vor 2500 Jahren - Leben und Sterben in der Eisenzeit entstanden Rekonstruktionen zweier Lebensbilder der sogenannten Hunsrück-Eifel-Kultur in Zusammenarbeit mit Dr. Sabine Hornung. Nach erster Kontaktaufnahme im August 2008 wurden die ersten Planungen abgeschlossen. Um einen größeren Zeitrahmen präsentieren zu können entschied man sich für die Rekonstruktion einer reichen Dame der Stufe HEK I B (also späte Hallstattzeit um 520 v. Chr.) und eines Mannes der Stufe HEK II A1 (Laténe A um 420 v. Chr.).
Die beiden Figurinen im Museum Simmern.
Grundlage für die Frauenausstattung waren einerseits die Funde verschiedener Frauenbestattungen des Hunsrücks unter Berücksichtigung der Rekonstruktionsvorschläge von Frau Dr. Cordie anhand den Funden aus den Gräbern der Nekropole von Bescheid.
Die Frau sollte die für diesen Bereich der älteren HEK üblichen Schläfenringe, einen schweren Halsreif und Armreifen tragen. Dazu ein Kleid aus Wolle in 2/2 Köper Indigo gefärbt gehalten von einem Brettchengewebtengürtel nach einem Muster aus Hallstatt (Hallstattborte 3 in den Farben Reseda, Krapp und Natur) und einen Schleier in Leinwandbindung mit Brettchenkante (Streifen in Krapp). Die Textilrekonstruktionen orientierten sich durchweg an den Textilfunden aus Bescheid. Die Schläfenringe wurden an einem Brettchengewebe nach Bescheider Befund am Kopf befestigt.
Die Schuhe sind nach dem bekannten Schnittmuster der tönernen Leisten, jedoch nach ausgiebiger Beratung aufgrund der wenigen Importwaren aus dem Mittelmeerraum etwas schlichter und nicht zu spitz.

Der Krieger bzw. die Männerrekonstruktion stütz sich auf Befunde des Gräberfeldes aus Ober Kostenz Rhein-Hunsrück Kreis. Das Grab enthielt, neben Messer und Keramik als Speisebeigabe, eine Lanzespitze, 3 Wurfspeerspitzen und zwei bronzene Vogelkopffibeln. Aufgrund der schlechten Funddokumentation ließ sich die Lage der Fibeln nicht mehr nachvollziehen.
 Der Mann trägt eine naturfarbene Tunika in Leinwandbindung. Also Beinbekleidung haben wir uns für eine Hose entschieden anhand der bekannten Belege für die Frühlaténezeit. Die Hose besteht wie alle Bekleidungsstücke aus Wolle in Fischgratbindung. Der Mantel ist aus Krapproter- und Naturfarbener Wolle in Ripsbindung gewebt. Gehalten wir dieser wiederum durch die beiden Fibeln rechts auf der Schulter. Diese Lage der Fibeln ist durch Vergleichsfunde gesichert.
Der Schild des Kriegers konnte aufgrund der Vergänglichkeit von organischem Material nicht nachgewiesen werden. Schildbeschläge aus Horath und Hochscheid zeigen jedoch, dass Schild als Schutzbewaffnung verwendet wurden. Die Form lehnt sich in ähnlicher Form an den Fund an Horath an. Der Schild besteht aus verleimten Erlenholzblanken, bespannt mit Rohhaut, Griff sowie Spina aus Buchenholz. Die Lanzenschäfte sind aus Eschenholz und orientieren sich in Länge und Durchmesser an den Befunden modern ausgegrabener Gräber der HEK.


Beteiligten:

Konzept: Dr. Sabine Hornung und Patrick Meyer

Alle Stoffe wurden mit Naturfarben gefärbt und sind auch von ihr handgewebt: Marled Mader

Brettchengewebe der Frau, Gürtel, Stirnband: Karin Wolmeringer

Der Schild und die Lanzenschäfte: Markus Breyer

Fibeln des Kriegers : Erik König, Aurificina Treverica

Schuhe: Patrick Meyer

Schmuck der Frau - Ein Restaurator des Museums (Name ist uns leider entfallen).



Die Speicherreko im Hintergrund wurde unter Leitung von Dr. Sabine Hornung und ihren Studenten in Zusammenarbeit mit einem örtl. Schreiner vor Ort nach Befunden aufgebaut.

Hiermit noch mal herzlichen Dank an Alle für ihre Mitarbeiter und an das Museum besonders Christel Schumacher und Dr. Sabine Hornung für die Gelegenheit an diesem Projekt mitzuarbeiten.



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